JÜRGEN RÜTTGERS

GRUSSWORT

Die internationale Kulturpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen fühlt sich dem
europäischen Auftrag verpflichtet. Dies gilt erst recht im Jahr 2010, in dem wir mit Essen eine von drei europäischen Kulturhauptstädten stellen. Mit den beiden anderen, Istanbul und Pécs, verbinden uns vielfältige Aktivitäten und Kooperationen. Dennoch wollten wir in diesem von der Kultur besonders geprägten Jahr auf unser scene-Programm nicht verzichten: Alle zwei Jahre kommen Künstlerinnen und Künstler aus einem europäischen Land nach Nordrhein-Westfalen, um sich dem nordrhein-westfälischen Publikum vorzustellen. In diesem Jahr erwarten wir hochkarätige Gäste aus Ungarn!
Ich freue mich sehr, dass es den vielen Veranstaltern und Partnern gelungen ist, ein spartenübergreifendes Festival zu organisieren, das uns den Reichtum und das kreative Potential der ungarischen Kultur nahe bringen wird. Von April bis Ende Juli stehen über 150 Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Tanz, Bildende Kunst, Film, Literatur und Musik auf dem Programm. Die Zahl der beteiligten Städte kann sich sehen lassen: Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hagen, Köln, Münster, Mülheim an der Ruhr, Neuss, Oberhausen und Wuppertal sind aktive Gastgeber und Veranstalter. Hier wirkt sich positiv aus, dass das scene-Programm 2010 erstmalig vom nrw kultursekretariat Wuppertal organisiert wird.

Ganz besonders herausheben möchte ich, dass es gelungen ist, die Schriftsteller Péter Nádas und György Konrád für Lesereisen durch sieben Städte zu gewinnen. Theaterfreunde können sich auf Béla Pintér und das «Theatre of Begszasz» freuen, Tanzbegeisterte kennen die Namen Pál Frenák, Josef Nadj und Eszter Salamon. ch wünsche den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen gute Unterhaltung und viel Freude an der Kultur aus Ungarn. Die ungarischen Künstlerinnen und Künstler des scene-Programms und alle, die uns im Kulturjahr 2010 besuchen, heiße ich herzlich willkommen.

JÜRGEN RÜTTGERS

MINISTERPRÄSIDENT DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN

JÁNOS CAN TOGAY

GRUSSWORT

Die Liste der ungarischen Künstler, die an den Veranstaltungen
der diesjährigen nordrhein-westfälischen scene, der Scene Ungarn in NRW teilnehmen, ist eine besonders erlesene und sagt in dieser Auswahl mindestens ebensoviel aus über die Vorlieben, Ziele und Interessen der Gastgeber wie über Tendenzen der zeitgenössischen ungarischen Kunst.

Die sozialbewusste, radikal ästhetische und radikal unterhaltende Theatertruppe um Béla Pintér, die Kompromisslosigkeit der Regie Mundruczós, die schier unverschämte Leichtigkeit und Komplexität der Musik Tony Lakatos’, die visuelle und psychologische Essentialität der Filme von Béla Tarr und Benedek Fliegauf, das Zusammenspiel von Tradition und Innovation der Choreografie von Frenák und Josef Nadj, das Ironisch-Philosophische und zugleich handwerklich Verblüffende des konzeptuellen Altmeisters Gyula Pauer und seinen jungen Kollegen Little Warsaw, die beseelt lebendigen orts- und weltverbundenen Rhythmen von Bands wie Little Cow und nicht zuletzt die literarische Präzision von Nádas sowie die Sätze des unermüdlichen Fragestellers György Konrád sind alle aus der ungarischen und mitteleuropäischen Tradition herausgearbeitete zeitgenössische, oft bahnbrechende Gesten der Kunst, die mit Sicherheit in dem der Innovation verschriebenen Kulturraum Nordrhein-Westfalen nachhaltigen Anklang finden werden.

Auch bin ich mir sicher, dass ihrer beider Beitrag – die qualitätsbewusste Auswahl der Organisatoren und die Produktionen der ungarischen Kunstschaffenden – gemeinsam zum sinnlich-kulturellen Erleben unserer größeren Heimat Europa beitragen werden.

JÁNOS CAN TOGAY

BOTSCHAFTSRAT UND DIREKTOR DES COLLEGIUM HUNGARICUM BERLIN
SCHIRMHERR