FRUZSINA SZÉP

DAS FENSTER ZUR UNGARISCHEN MUSIKSZENE

Eine Reise in die ungarische Musikszene ist für jeden Musikliebhaber gleich
welcher Gattung ein Vergnügen. Zwei der angesehensten Konzertsäle Ungarns sind der Palast der Künste (Művészetek Palotája) in Budapest und das Kölcsey Zentrum in Debrecen. Die Szene der Live Clubs ist außerordentlich lebendig. Leicht zu finden sind die in der Innenstadt und an der Donau gelegenen Open-Air-Clubs und die sogenannten «Romkocsma» Bars – eine Art illegale Bar in meist im Stadtkern gelegenen Wohnhäusern, die noch genauso aussehen wie früher. Die Atmosphäre vibriert.

In den vergangenen Jahren tauchten junge, starke Bands auf, die mit unterschiedlichen Stilen spielten und experimentierten. Dank Béla Bartók und Zoltán Kodály haben die Ungarn eine große Tradition der musikalischen Überlieferung. Oft sind die Bands vorurteilsfrei genug, ein paar Volksweisen und Volksinstrumente in der Elektro- oder sogar Rock- und Popmusik einzusetzen.

Dieser «ungarische Klang» ist jeden Sommer bei einem der wichtigsten Musik- und Kulturfestivals Europas zu erleben, dem Sziget-Festival auf einer Donauinsel in Budapest. Sziget, was im Deutschen «Insel» bedeutet, besteht eigentlich aus vielen Festivals. Jeder Veranstaltungsort stellt eigene Programmreihen auf, den Liebhabern des Mainstreams, des Hard Rock, der Weltmusik, des Folk, der elektronischen Tanzmusik, der Alternativstile, des Blues oder des Jazz werden individuelle Festivals angeboten. Sziget ist mehr als nur ein Festival: Es ist ein Ort, um Freundschaften zu schließen, um sich zu verlieben, ein Markenzeichen für die Kultur Ungarns. Wer ungarische Bands entdecken will, ist hier bei «Eurowoodstock» genau richtig.

FRUZSINA SZÉP

IST GRÜNDERIN UND DIREKTORIN DES «HUNGARIAN MUSIC EXPORT OFFICE» SO WIE PROGRAMMDIREKTOR IN DES SZIGET-FESTIVALS IN BUDAPEST

HANS-JÜRGEN VON OSTERHAUSEN

JAZZ IN UNGARN – EIN BESONDERES ERLEBNIS

Auch wenn man bei ungarischer Musik zuallererst an Béla Bartók und dann an Zigeunermusik denkt, der Jazz ist schon lange in diesem Kulturland angekommen und prägt heute die aktuelle Musikszene an der Donau auf ganz besondere Weise. Die Jazzszene mischt die wesentlichen aus dem Ursprungsland usa überlieferten Elemente mit ihren ungarischen Musiktraditionen. Europaweit bekannte Namen wie Gábor Gadó, Gábor Wienand, Mihály Dresch, György Szabados, Kalman Olah, Zoltán Lantos oder Elemér Balázs haben so zu einer neuen bildreichen Musik von hoher Qualität gefunden, die sich oft mit anderen europäischen Szenen verbindet. So haben Gábor Gadó und sein Quartett mit Matthieu Donarier und Joe Quitzke die französische Szene belebt. Ebenso wie der Gitarrist Csaba Palotai mit seiner mitreißenden Pariser Grupa Palotai und einer ganz aktuelle Form eines Punk-orientierten freien Jazz.

Um gleich alle Missverständnisse auszuräumen: Mit Folklore hat diese Musik nichts zu tun, auch wenn ein großer Teil der Musiker aus der Tradition der Zigeunerfamilien stammt. Niemand muss heute mehr sein Land verlassen, um seine Musik zu spielen, wie dies in den letzten 60 Jahren Attila Zoller, Gábor Szabó, Lajos Dudas, Tony Lakatos oder Ferenc Snétberger getan haben. Gerne lädt man bekannte Musiker aus aller Welt nach Ungarn ein und entwirft zusammen Musik, die große internationale Anerkennung findet – nicht zuletzt durch die Aufnahmen des Budapester Labels bmc. Ein Glück für das Musikland NRW, davon nun einige Höhepunkte erleben zu können.

HANS-JÜRGEN VON OSTERHAUSEN

IST GRÜNDER VON JAZZ AM RHEIN E.V. IN KÖLN UND FREIER MITARBEITER VON JAZZ PODIUM UND JAZZZEITUNG