EDINA KENESEI

WAS SEHEN SIE AM ENDE?

Wenn wir einen Blick auf das scene-Programm 2010 für zeitgenössischen ungarischen Tanz werfen, können wir ohne Übertreibung behaupten, dass es illuster ist. Es spielen darin sowohl Kunstschaffende eine Rolle, die erst seit einigen Jahren aktiv sind, als auch weltberühmte Choreografen mit einer mehrere Jahrzehnte umfassenden künstlerischen Vergangenheit wie Josef Nadj oder Pál Frenák, die in den letzten Jahrzehnten in Frankreich sehr erfolgreich waren.

Ungarn ist ein Land, das eine starke Tradition klassischen Theaters besitzt und in dem der Tanz für einen Großteil des Publikums Ballett und Folklore bedeutet. In einem solchen Land, in dem es ausgesprochen schwierig ist, sich von der Tradition zu lösen, wirken Künstler wie Márta Ladjánszki, Krisztián Gergye und die anderen an der scene beteiligten Choreografen und Tänzer. Ihr Talent war unter anderem der Grund dafür, dass sich in den letzten zehn Jahren Vieles verändert hat, dass sich ein Publikum gebildet hat, das dem zeitgenössischen Tanz gegenüber neugierig und aufgeschlossen ist. Ein Publikum, das sich einer neuen Denkform stellt, die nur über den Körper und ohne Worte etwas behauptet oder eine Frage aufwirft. Ich wünsche mir von Herzen, dass es wenigstens einen Zuschauer gibt, der alle ungarischen Tanzvorstellungen besucht.

Ich wünsche es mir, weil jede Vorstellung ein wichtiges Teilstück von uns ist und weil ich neugierig bin: Was sehen Sie am Ende? Eine Behauptung oder eine Frage?

EDINA KENESEI

IST KURATORIN FÜR INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN AM NATIONALTHEATER BUDAPEST